Kiezmagazin fürs Brandenburgische Viertel in Eberswalde





Kiez-Termine

Sonnabend, 23. Juni, 8-14 Uhr:
Tag der offenen Tür im Verkehrsgarten Eberswalde im WBG-Vereinshaus in der Havellandstraße 15. Weitere Infos

Donnerstag, 28. Juni, 10 Uhr:
Das Quartiersmanagement für das Brandenburgische Viertel lädt Vertreterinnen und Vertreter aus Einrichtungen und Institutionen des Viertels zum 1. Trägertreffen in die Aula der Grundschule Schwärzesee ein (Kyritzer Str. 29).

Dienstag, 3. Juli, 15 Uhr:
Das Quartiersmanagement für das Brandenburgische Viertel lädt ein zum Rundgang zur Besichtigung möglicher Flächen für Hundeauslaufplätze. Treffpunkt ist um 15 Uhr auf dem Potsdamer Platz.

Kulturbund Klub "Heinrich Mann" Cottbuser Str. 5a (hier mehr):
Malzirkel 7. u. 21.6., 14 Uhr
Handarbeiten 31.5., 12. u. 26.6., 14 Uhr
Foto-Club 12. u. 28.6., 18.30 Uhr
FG Ornithologie, 19.6., 18.30 Uhr
Klöppelgruppe 26.6., 14 Uhr

KANALTHEATER:
»2038 - die große Freiheit«
Wir erleben unseren ersten Tag in einer arbeitsfreien Gesellschaft. Eine Versuchsanordnung, ein Experiment. Was wirst du tun, wenn die Zukunft dir Freiraum gibt?
EXIL Am Bahnhof Eisenspalterei. Jeweils Freitag und Sonnabend am 22./23. und 29./30. Juni mehr

Eltern-Kind-Zentrum:
Mütter-Fitness-Gruppe Mo 9.30 Uhr, SV Motor Turnhalle, Potsdamer Allee 37
Krabbelgruppe Mi 9.30 - 11 Uhr, Bonhoeffer-Haus, Potsdamer Allee 35

WBG-Vereinshaus, Havellandstr. 15
Sportgruppe @ H15 Mo 18.30-20 Uhr
Offene Naehwerkstatt Mi 10-13 Uhr
Repair-Café & Six-to-Zero Fr 15/18 Uhr
Hebewerk e.V. im H15

WBG-Freizeitschiff:
Rommé, Skat ... Mo 14 Uhr
Handarbeitstreffen Do 13 Uhr
Prignitzer Str. 48

Gemeindezentrum:
Familiennachmittag dienstags, 16 - 17 Uhr, Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Potsdamer Allee 35
Familiensport, Di 15-16 Uhr, Do 15-16.30 Uhr, SV Motor Turnhalle, Potsdamer Allee 37

AWO Ortsverein Finow:
Frankfurter Allee 24
Nachmittag im Seniorenclub Mi 14 Uhr

Bürgerinitiative
Radwege in Eberswalde

Mitteilungen der Bürgerinitiative
Sammelstellen
Liste zum Ausdrucken

MAXE-Volltextsuche:
Kontakt zur

Stadtumbau

Abrißbagger in der Lübbenauer Straße im Februar 2014. War das der letzte Wohnungsabriß?

Kiez mit mehr Einwohnern

Bevölkerung im Viertel wuchs 2016 um fast 5 Prozent

maxe. Die Einwohnerzahl der Stadt Eberswalde erhöhte sich im Jahr 2016 um 582 auf nunmehr 41.134. Erstmals seit 1990 kehrte sich damit der Nachwende-Schrumpfungsprozeß um.

Bemerkenswert ist, daß erstmals auch das Brandenburgische Viertel am Bevölkerungswachstum beteiligt war. Und dies sogar überproportional. Ende 2016 lebten 6.678 Menschen im Kiez, das waren fast 300 mehr als Ende 2015. Dies entspricht einem Zuwachs um etwa 4,6 Prozent. Für die Gesamtstadt liegt dieser Wert hingegen nur bei 1,4 Prozent.

Dabei hat sich die Zahl der gemeldeten Personen mit Nebenwohnsitz deutlich reduziert. Während des Jahres 2016 betraf dies nur noch im Mittel 50 Menschen. Ende 2014 waren es noch 251.

Nach den MAXE vorliegenden Zahlen war im 1. Quartal 2015 der Tiefpunkt erreicht. Damals wohnten 6.097 Personen mit Hauptwohnsitz sowie 200 mit Nebenwohnsitz, in Summe also 6.297 Personen im Kiez.

Ein Jahr zuvor, im Februar 2014, waren in der Lübbenauer Straße nochmals 90 Wohnungen abgerissen worden (siehe Video). Danach fiel im Frühjahr 2015 noch das alte Gebäude der Schwärzesee-Grundschule dem Abrißbagger zum Opfer. Inzwischen sind die Räumlichkeiten der neuen Schule zu eng für die wieder wachsende Schülerzahl.

Die wachsende Einwohnerzahl ist Folge des höheren Zuzugs. In ganz Eberswalde standen im vergangenen Jahr 3.074 Zuzügen 2.357 Wegzüge gegenüber. Aus eigener Kraft können die Eberswalder ihre Zahl nicht beibehalten. Den 387 Geburten standen 522 Sterbefälle gegenüber.

Die gestiegene Bevölkerungszahl ist dabei fast ausschließlich dem Zuzug von Ausländern zu verdanken, im Saldo 572, während der deutsche Bevölkerungsteil immerhin 10 Personen zum Positvsaldo beisteuerte. Den 1.324 Zuzügen stehen bei Ausländern 789 Wegzüge gegenüber. Und auch deren Geburtensaldo ist positiv. Bei 6 Sterbefällen kamen 43 Kinder als Neu-Eberswalder zur Welt.

In der nachfolgenden Tabelle stehen die genauen Zahlen für das Brandenburgische Viertel:


Datum Hauptwohnsitz Nebenwohnsitz Gesamt

31.03.2015 6097 200 6297
31.03.2016 6363 50 6413
30.06.2016 6436 48 6484
30.09.2016 6546 47 6593
31.12.2016 6626 52 6678


(12. Februar 2017)

Siehe auch: Zwei Drittel wohnen hier




Gehwegsanierung in der Prignitzer Straße 2012. Geh- und Radwegsanierung

Runder Tisch diskutiert Prioritätenliste 2017/18

maxe. Am 8. Juni tagt der »Runde Tisch Geh- und Radwegsanierung«, um über die Prioritätenliste zu befinden, nach der in den Jahren 2017 und 2018 die Geh- und Radwege in Eberswalde instandgesetzt werden.

Wegen des hohen Sanierungsbedarfes, so die Aussage von Baudezernentin Anne Fellner, reichen die geplanten Mittel, die bislang für den Doppelhaushalt 2017/18 vorgesehen sind, nicht für alle Maßnahmen aus. Daher müsse eine Prioritätenliste aufgestellt werden.

»Für die Sanierung einer 1 m? großen Geh- oder Radwegfläche«, so Anne Fellner, »werden ca. 50 Euro benötigt, für eine Bordabsenkung werden ca. 1.000 – 2.000 Euro veranschlagt«. Dabei können die zur Verfügung stehenden Mittel ausschließlich für Unterhaltungsmaßnahmen eingesetzt werden, nicht für den Neubau von Geh- und Radwegen. »Das heißt, es können z. B. nur Borde abgesenkt und vorhandene Gehwegplatten oder Betonsteine ausgetauscht werden. Die darunterliegenden Kies- und Tragschichten dürfen nicht mit erneuert werden.«

Auch bislang unbefestigte Geh- und Radwege fallen nicht unter diese Maßnahmen. Hierbei handelt es sich um Investitionen, die nach dem Kommunalabgabengesetz anteilig durch die Anlieger und die Stadt finanziert werden müssen.

Als Kriterien, die bei der Festlegung der Prioritäten beachtet werden sollten, nennt die Baudezernentin:

  • den vorhandenen Zustand der Geh- und Radwege
  • die Wichtigkeit der Straße (Aufenthaltsfunktion, Geschäftsauslagen, Spielen)
  • anliegende Einrichtungen (Kita, Schulen, Altersheime, Geschäfte, Versorgungs-, Verwaltungs- und Freizeiteinrichtungen)
  • das Verkehrsaufkommen auf den Fahrbahnen
  • das Verkehrsaufkommen auf den Geh- und Radwegen
  • die Umfeldnutzung, Randbebauung
  • die Bedeutung innerhalb des Fußgängerverkehrsnetzes
  • die Anbindungen zu den Haltestellen des ÖPNV

Die Stadtverwaltung will am 8. Juni die aus ihrer Sicht wichtigsten Maßnahmen vorstellen und bittet die Teilnehmer am Runden Tisch, die aus ihrer Sicht notwendigsten Sanierungen in die Diskussion mit einzubringen.

Teilnehmer am Runden Tisch Geh- und Radwegsanierung sind Vertreter der Stadtfraktionen, der Ortsteilvertretungen, Mitarbeiter der Stadtverwaltung sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Derzeit stehen jährlich ca. 200.000 Euro für die Sanierung der Geh- und Radwege in der Stadt Eberswalde zur Verfügung.

Hinweise für die Prioritätenliste können (möglichst mit Foto und der konkreten Bezeichnung des betreffenden Weges) direkt an das Tiefbauamt (Tel. 03334/64667, eMail: g.mueller@eberswalde.de) oder an den Stadtverordneten Carsten Zinn (eMail: kommunal@gmx.de) gesandt werden.

(7. Mai 2016)




In der Kita »Arche Noah« werden 2016/17 Sanitäranlagen saniert

maxe. Im Jahr 2016 ist laut Auskunft von Kerstin Ladewig, der städtischen Amtsleiterin für Bildung, Jugend und Sport, die Sanierung eines Kinderbades in der Kita »Arche Noah« vorgesehen. Voraussetzung dafür ist allerdings die Gewährung von Fördermitteln, die über den Landkreis Barnim beantragt wurden.

Für das darauffolgende Jahr sind laut Baudezernentin Anne Fellner weitere Modernisierungen in Sanitärbereichen der Kita geplant. Für zwei Kinder- und einen Personalsanitärbereich sind insgesamt 75.000 Euro in der mittelfristigen Finanzplanung für 2017 vorgesehen.

(14. Dezember 2015)




Obus fährt ab Sonntag durchs »Brandenburgische Viertel«

Nach vielen Jahren der intensiven Bemühungen insbesondere während meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Ortsvorsteher im Eberswalder Ortsteil Brandenburgisches Viertel (2008-2014) ist es nun mit dem Winterfahrplanwechsel des Verkehrsverbund Berlin Brandenburg am 13. Dezember 2015 endlich soweit:

Ab diesem Tag gibt es das Brandenburgische Viertel auch auf den Fahrplänen der Barnimer Busgesellschaft und entsprechend bei der Fahrplanauskunft des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg.

Bisher heißt es auch für die Haltestellen im Brandenburgischen Viertel z.B. »Finow - Potsdamer Allee« oder »Finow - Uckermarkstraße«.

Nach jahrelangen Bemühungen und mit der hilfreichen Untersützung des Mitgliedes im Aufsichtsrat des Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, dem Barnimer Vizelandrat und Wirtschaftdezernenten Carsten Bockhardt (CDU) werden zukünftig die Fahrplanaushänge und und die Fahrplanauskünfte identisch mit der korrekten Bezeichnung für den Ortsteil Brandenburgisches Viertel sein.

Ab Sonntag den 13. Dezember 2015 heißt es an den Fahrplanaushängen der Obus-Haltestellen im Ortsteil Brandenburgisches Viertel dann korrekterweise »Brandenburgisches Viertel - Barnimer Heide« oder »Brandenburgisches Viertel - Brandenburger Allee«.

Carsten Zinn – 11. Dezember 2015

Siehe: MAXE 10/2014, Seite 3: »Obus künftig auch im »Brandenburgischen Viertel«




Allgemeinärztin im Kiez hört auf

maxe. Die einzige Allgemeinärztin im Brandenburgischen Viertel macht zum Jahresende ihre Praxis zu. Wie zu erfahren war, hat sich Dipl-Med. Irene Jordan intensiv um einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin bemüht. Leider vergebens.

Inwieweit es eine Unterstützung der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung gab, ist nicht bekannt. Im Juni hatte deren stellvertretender Vorsitzender in Brandenburg Andreas Schwark im städtischen Ausschuß für Kultur, Soziales und Integration mitgeteilt, daß sich in Eberswalde zusätzlich drei weitere Hausärzte ansiedeln könnten.

Es gab also schon vor einem halben Jahr eine eklatante Unterversorgung, die nun – speziell für unseren Stadtteil – noch deutlich schlimmer wird.

Eine Lösung für die Einwohnerinnen und Einwohner des Brandenburgischen Viertels gibt es derzeit nicht.

Wie von der scheidenden Allgemeinärztin zu erfahren war, haben die Patienten Anspruch darauf, ihre Patientenakten zu erhalten. Frau Jordan bittet darum, zu diesem Zweck einen frankierten und mit der eigenen Anschrift versehenen Umschlag in der Praxis abzugeben bzw. in den Praxisbriefkasten zu hinterlegen.

(8. Dezember 2015)




Die verwandelte Stadt

Wie sich das Brandenburgische Viertel seit 1990 entwickelte

Im Museum der Stadt Eberswalde kann man sich zur Zeit die Ausstellung »Die verwandelte Stadt« ansehen. Hier wird der Versuch unternommen, die vielfältigen Entwicklungen des letzten Vierteljahrhunderts darzustellen, einer Zeit großer Umbrüche, im gesellschaftlichen wie im privaten. Man muß den Museumsmachern, wie auch dem Amt für Wirtschaftsförderung, das einen Begleitband gestaltet und gedruckt hat, Respekt zollen für einen bunten Überblick der Highlights von Kultur, Wirtschaft, Sport, Städtebau, Bildung und Politik.

Gezeigt werden Produkte der Seilrollenfertigung des ehemaligen Kranbaus, Highend-Lautsprecher der Firma C.E.R.T., ein Bedienelement eines Außenfahrstuhls, Utensilien eines Faschingsclubs, diverse Sportpokale und eine Videodokumentation über Eberswalde im Jahre 1990.

Daß über den Bau des Paul-Wunderlich-Hauses berichtet wird, über die Wiedereröffnung der forstlichen Fachhochschule und über die Sanierung und den Umzug des psychiatrischen Landeskrankenhauses, das alles ist natürlich selbstverständlich. Weniger verständlich ist hingegen, daß die Finower, die Nordender, die Ostender, die Westender und die Bewohner des Brandenburgischen Viertels in der Stadtgeschichte der letzten 25 Jahre überhaupt nicht vorkommen, so als sei Eberswalde noch der kleine Marktflecken des 18. Jahrhunderts, der vom Kanal bis zur Kirche reicht.

Die Passage wurde gebaut. Zu dieser Zeit wurde wohl in jeder größeren deutschen Stadt ein Einkaufscenter errichtet. Dafür mußten viele kleine Läden, besonders in der Eisenbahnstraße, ihr Geschäft aufgeben. Die Altstadt wurde saniert, sehr lobenswert. Aber damit die steigenden Mieten an den Mann bzw. die Frau gebracht werden können, mußte anderswo in Eberswalde »der Markt bereinigt« werden.

Diese andere Stadtgeschichte illustriert nebenstehende Abbildung: Im Brandenburgischen Viertel wurden im letzten Jahrzehnt 26 Wohnblöcke abgerissen. Preiswerter Wohnraum für 3000 Menschen!
Das Reimannviertel war in den 1980ern gefragt bei jungen Familien, moderne Häuser mit Zentralheizung und Bad. Auch viele Familien der sowjetischen Bundesgenossen wohnten hier im Waldviertel, während die MiGs zum Landeanflug nach Finow ansetzten.

In dem Video, das im Museum läuft, kann man zurückblicken: auf ein Reimannviertel voller Menschen, auf gut besuchte Kaufhallen, auf Spielplätze, die noch weit vom heutigen Standard entfernt waren – auf ein junges Wohngebiet, das noch vorwiegend von Sand, von Kiefern und von Trabants beherrscht wurde.

Reimannviertel - dieser Name wurde schnell obsolet in der neuen Marktwirtschaft Brandenburgs. Was lag näher, als das Viertel nach dem Land und die Straßen nach ihren Städten zu benennen? Ein Zeichen von märkischem Patriotismus. Aber auch ein Zeichen davon, die eigene Geschichte verdrängen zu wollen. Wenigstens das Denkmal des Namensgebers Max Reimann durfte stehenbleiben.

Noch wohnten 1992 über 13.000 Menschen im neuen Brandenburgischen Viertel, die teilweise recht gut verdienten. Der Geist der Zeit erforderte nun ein Einkaufszentrum und ein Bankgebäude, und so kam das Viertel zu einem richtigen Zentrum mit einem zentralen Platz, der zum Treffpunkt, zum Marktplatz und zum Festplatz wurde.

Aber vielen Familien wurde es zu eng im Wohngebiet, sie wollten ein Häuschen im Grünen, es gab ja so günstige Kredite vom Bankhaus! Wohnst du noch, oder baust du schon? Die neue Zeit machte es möglich.
Dazu kam die allgemeine Situation in den östlichen Bundesländern mit hoher Arbeitslosigkeit, was den Wegzug der jungen Leute in den Westen zur Folge hatte.

So kam es, daß immer mehr Wohnungen leer standen, die Vermieter nur noch wenig investierten und ein Block nach dem anderen abgerissen wurde. Es hieß, es werde im Rahmen des Stadtumbaus »zurückgebaut«. Ein schönes Wort für die Vernichtung von Werten. Erst kam der Bagger, dann kam der Schutt, dann kam die Sandfläche und dann kamen die Kräuter und Bäumchen. Gras wuchs über die ganze Sache.

Aber nicht nur Wohnungen mußten weg. Ganze 4 Schulen wichen den »Stadtumbauern«: die Grundschule Am Stadtwald (vorher 6. POS Max Reimann), die Gesamtschule Rosa Luxemburg (13. POS), die Gesamtschule Albert Einstein (14. POS Ernst Thälmann) und schließlich, im letzten Jahr, das alte Gebäude der Schwärzesee-Grundschule. Dabei wohnen hier im Viertel die meisten Kinder von Eberswalde. So viele Spielplätze wie hier gibt es in keinem anderen Stadtteil!

Aber die Goetheschule war wichtiger. Schließlich stammte sie noch aus alter preußischer Zeit. So müssen nun viele Oberschüler weit fahren am frühen Morgen. Mit einem Schülerabo der Barnimer Busgesellschaft (BBG).

Ach ja, die Busse! Die fehlten ein bißchen in der Ausstellung. Was wäre Eberswalde ohne seine Obusse? Das ist ein Auftrag ans Stadtmuseum. Das sollte man nicht der BBG alle Jubeljahre überlassen.

Das ehemalige Reimannviertel jedenfalls hat sich, ungewollt, dahin entwickelt, wie es sich der planende Architekt eigentlich vorgestellt hatte: großzügig, weit, mit Sonne und Licht und viel Grün. Und vielen spielenden Kindern. Aber was der Architekt sagt, ist das eine, das andere bestimmt die Politik ...

Jürgen Gramzow - 23. November 2015




Antworten zu Fragen zum Wohnungsabriß

maxe. Zur Sitzung des Eberswalder Ausschusses für Wirtschaft und Finanzen (AWF) am 10. September 2015 hatte Gerd Markmann, der als sachkundiger Einwohner Ausschußmitglied mit beratender Stimme ist, Fragen zum geplanten Wohnungsabriß der städtischen Wohnungsbau- und Hausverwaltungsgesellschaft mbH (WHG) in der Potsdamer Allee 45 bis 53 im Ortsteil Brandenburgisches Viertel gestellt (BBP 9/2015).
Nach anderthalb Monaten hat der WHG-Geschäftsführer Hans-Jürgen Adam geantwortet. Inzwischen wurde der Abriß zurückgestellt. Angesichts der erhöhten Zahl an Flüchtlingen, die untergebracht werden müssen, hat die Landesregierung beschlossen, den Abriß nicht mehr zu fördern. Aufgrund der geänderten Bedingungen kamen WHG, Stadtverwaltung und die für die Unterbringung der Flüchtlinge verantwortliche Kreisverwaltung überein, die beiden Wohnblöcke in der Potsdamer Allee vorerst nicht abzureißen. Stattdessen will der Landkreis hier Wohnungen zur Unterbringung der Flüchtlinge anmieten.
Ungeachtet der veränderten Lage dokumentieren wir nachfolgend die Antwort von Hans-Jürgen Adam auf die Fragen zum Abriß. Obwohl die Antwort auf den 21. Oktober datiert ist, gibt der WHG-Geschäftsführer hier den Stand der Dinge zum Zeitpunkt der Fragestellung am
10. September vor dem Verzicht auf den Abriß wieder:

Vorbemerkung

Im Rahmen der Quartiersentwicklung in Eberswalde und unter Berücksichtigung der städtebaulichen und demographischen Entwicklungen wurde im Geschäftsjahr 2014 beschlossen, im Brandenburgischen Viertel zwei Immobilien in industrieller Bauweise mit insgesamt 86 Wohnungen zurückzubauen. Für die Jahre 2015-2017 sind der Freizug der Wohnungen und die Stillegung der Objekte vorgesehen.

Der Antrag auf Aufnahme in das Programm Stadtumbau Ost Programmjahr 2015 (Laufzeit 2015-2019) wurde bei der Stadt Eberswalde gestellt. Der Rückbau dieser beiden Objekte ist im langfristigen Wirtschaftsplan für das Geschäftsjahr 2018 eingeplant.

Aufgrund dieser Entscheidung wurde im Geschäftsjahr 2014 eine außerplanmäßige Abschreibung in Höhe von TEUR 541,5 bei diesen Objekten mit verkürzter Restnutzungsdauer aufgrund von geplantem Rückbau vorgenommen. Wie alle kommunalen Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften trägt die WHG die Last der Altschulden. Dies verschafft privaten Anbietern auf den Wohnungsmärkten einen Wettbewerbsvorteil. Bei weiterem Rückbau ist deshalb die weitere Teilentlastung von Altschulden dringend notwendig, zumal sich erfahrungsgemäß private Anbieter nicht an erforderlichen Rückbaumaßnahmen beteiligen, jedoch von einer Anpassung des Wohnungsangebots an die Erfordernisse des Marktes profitieren.

Es besteht ansonsten sowohl eine erhebliche negative Wettbewerbssituation für die WHG am Markt als auch eine negative wirtschaftliche Beeinträchtigung des Unternehmens.

Per 24.09.2015 stellt sich die Belegung der Wohnungen in diesen bei den Objekten wie folgt dar:


Objekt WE bewohnt Leerstand in Prozent

0229 Potsdamer Allee 53-59 43 16 24 59%
0230 Potsdamer Allee 45-51 43 12 31 72%


Frage 1

Wie hoch sind – bezogen auf eine durchschnittliche Wohneinheit von ca. 60 m? (3-Raum-Wohnung) – die Leerstandskosten der beiden für den Abriß vorgesehenen Wohnblöcke
a) aus den fixen Betriebskosten
b) aus den Finanzierungskosten (getrennt nach Zins und Tilgung)?
Da aufgrund der unterschiedlichen baulichen Zustände von erheblichen Unterschieden zwischen den beiden Wohnblöcken auszugehen ist, bitte ich um eine separate Aufstellung der genannten Kosten für jeden der beiden betroffenen Wohnblöcke.

Antwort:

Anhand der vorliegenden Zahlen aus der Betriebskostenabrechnung 2014 läßt sich ermitteln, daß für ganzjährig leerstehende Wohnungen mit einer Fläche von ca. 60 m? Betriebs- und Heizkosten in Höhe von durchschnittlich 1,50 €/m? monatlich (Objekt 0229) bzw. durchschnittlich 1,70 €/m? monatlich (Objekt 0230) zu verbuchen sind.

Im Geschäftsjahr 2014 sind der WHG Betriebskosten - einschließlich der nicht umlagefähigen Betriebskosten - für leerstehende Einheiten in den bei den Objekten in folgender Höhe entstanden:


Objekt Geschäftsjahr 2014

0229 Potsdamer Allee 53-59 19.171,23 €
0230 Potsdamer Allee 45-51 30.407,34 €

Die WHG refinanziert sich am Kapitalmarkt als Unternehmen, d.h. daß eine objektscharfe Zuordnung von Verbindlichkeiten zu einzelnen Objekten weder möglich noch erforderlich ist. Eine reine Unternehmensfinanzierung ist in der Immobilienbranche allgemein üblich. Eine Herunterrechnung von Verbindlichkeiten bzw. der Annuität auf eine einzelne Wohneinheit ist somit rein hypothetisch.

Im Geschäftsjahr 2014 hat die WHG insgesamt für bestehende Darlehen Zahlungen für Zinsen in Höhe von TEUR 3.484,1 und für Tilgung in Höhe von 5.449,4 geleistet. Für eine (hypothetische) 60 m?-Wohnung stellen sich diese Zahlungen rechnerisch wie folgt dar:


60 m?-WE p.a. pro m? p.m.

Zinsen 581,92 € 0,81 €
Tilgung 910,16 € 1,26 €


Frage 2

Wie hoch sind die Kosten, die durch die sogenannten »Altschulden« verursacht werden?
(Bitte auch hier separate Angaben für die beiden betroffenen Wohnblöcke).

Antwort:

Per 31.12.2014 weist die WHG Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten in Höhe von TEUR 104.544,9 aus, davon für die sogenannten Altschulden TEUR 15.852,9. Die im Geschäftsjahr 2014 geleisteten Zahlungen für Zinsen und Tilgung stellen sich wie folgt dar:


60 m?-WE p.a. pro m? p.m.

Zinsen 610.000 € 101,88 € 0,14 €
Tilgung 738.500 € 123,34 € 0,17 €


Frage 3

Wie hoch wären die Kosten aus den finanziellen Belastungen durch die verbleibende Restschuld und die Bewirtschaftungskosten nach einem erfolgten Abriß der beiden Wohnblöcke?
(Bitte auch hier zum Zwecke der Vergleichbarkeit auf die nunmehr völlig fiktive 3-Raum-Wohneinheit bezogen und für beide Wohnblöcke getrennt).

Antwort:

Für zwei Darlehen bei der Nord LB


Darlehensnummer Nominalbetrag Restschuld
per 31.08.15
vorr. Restschuld per 31.12.18

20100002 5.963.810,97 € 4.224.146,62 € 2.931.553,71 €
20100003 4.302.049,03 € 2.981.495,59 € 2.025.822,15 €
(Zinsbindung bis 31.03.2016)

dienen – neben 49 anderen Objekten – auch die Objekte Potsdamer Allee 45-59 als Sicherheiten. Wegen des Prinzips der Unternehmensfinanzierung (s.o.) ist eine Herunterrechnung auf einzelne Objekte – ebenso wie auf eine einzelne Wohneinheit – hypothetisch.

Zum 31.12.2018 stellt sich die voraussichtliche anteilige Restschuld (anteilig auf die Objektwohnfläche gerechnet) wie folgt dar:


Darlehensnummer Objekt vorr. anteilige Restschuld per 31.12.18

20100002 0229 90.201,54 €
20100002 0230 93.222,65 €
20100003 0229 62.205,60 €
20100003 0230 64.289,04 €

Natürlich fallen nach dem Abriß von Wohnblöcken noch weitere Betriebskosten für die dann entstehenden unbebauten Flächen an, wie z. B. öffentliche Lasten, Straßenreinigungsgebühren und gegebenenfalls Grünflächenpflege sowie sonstige Verkehrssicherungspflichten. Es wird aus heutiger Sicht geschätzt, daß diese jährlich bei ca. 5.000,00 € liegen.

Frage 4

Welche Vorteile verspricht sich die Geschäftsführung der WHG aus dem Abriß der Wohngebäude in der Potsdamer Allee 45 – 59?
Sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden, die leerstehenden Wohnungen zu vermieten?
(Dies insbesondere unter dem Aspekt des aktuell zunehmenden Bedarfs an Unterkünften für Flüchtlinge).

Antwort:

Von den insgesamt 928 Wohnungen der WHG im Brandenburgischen Viertel (einschließlich Osterweiterung) stehen insgesamt 161 leer; dies entspricht einer Leerstandsquote von 17 %. Diese liegt somit über der Leerstandsquote der WHG von insgesamt 13,29 % (Stand per 31.12.2014).

Eine Zukunftsfähigkeit dieser beiden Objekte ist angesichts der Situation auf dem Eberswalder Immobilienmarkt - der ein reiner Mietermarkt ist - sowie der demographischen Entwicklung und vor dem Hintergrund des bautechnischen Zustandes nur sehr eingeschränkt zu sehen. Eine Vermietung war nicht möglich; deshalb die Entscheidung zum Rückbau,

Aktuell wird gemeinsam mit dem Landkreis Barnim und der Stadt Eberswalde die Möglichkeit einer temporären Nutzung als Unterkünfte für Flüchtlinge und Asylbewerber geprüft. Hierzu hat der Bürgermeister im nichtöffentlichen Teil der letzten Sitzung der StVV ausführlich informiert; hierauf wird Bezug genommen.

Frage 5

Warum werden die zum Abriß vorgesehenen Wohnblöcke nicht verkauft?
Wie hoch müßte aus Sicht der WHG das Mindestgebot für einen Verkauf (pro durchschnittlicher Wohneinheit) sein?

Antwort:

Nach Einschätzung der Geschäftsführung besteht für derart problematische Objekte kein Markt. Ein Verkauf würde auch nicht der durch die demographische Entwicklung geforderten Anpassung des Wohnungsmarktes durch Verringerung des Angebots Rechnung tragen; vielmehr wäre dies ein Beitrag zur Stabilisierung oder gar Erhöhung des Leerstandes und der damit verbundenen Kosten.

Für den Fall eines (für unwahrscheinlich gehaltenen) Verkaufs müßten zumindest die Restbuchwerte für die beiden Objekte sowie der anteilige Buchwert des Grundstücks realisiert werden; weiterhin müßte die per 31.12.2014 vorgenommene außerordentliche Teilwertabschreibung aufgeholt werden. Der Erlös müßte somit mindestens und insgesamt bei ca. TEUR 682 für beide Objekte liegen. Ein solcher Verkaufspreis ist nach Einschätzung der Geschäftsführung für Objekte in diesem Zustand völlig unrealistisch. Da es sich bei den beiden Objekten nicht um aufgeteiltes Wohneigentum nach WEG handelt, erscheint eine Umrechnung auf einen fiktiven Verkaufspreis pro Wohneinheit wenig sinnvoll.

Sehr geehrter Herr Markmann,
ich hoffe, Ihre Anfrage ausführlich und erschöpfend beantwortet zu haben. Die WHG ist sich ihrer sozialen Verantwortung bewußt. Diese Verantwortung kann jedoch nur realisiert werden, wenn die wirtschaftlichen Parameter dies auch ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Jürgen Adam
Geschäftsführer

(veröffentlicht am 25. Oktober 2015)

Siehe auch: Der Abriß ist vom Tisch, Fragen zum Abriß, »Informationen« statt Konfliktlösung, Warum verweigert der Bürgermeister die Diskussion?, Städtebaulicher Unsinn.
Alle Artikel zum Thema: hier




Wohnungsabriß ist vom Tisch

Zumindest ist der geplante Abriß der Wohnblöcke in der Potsdamer Allee 45 bis 59 erst einmal abgesetzt worden.
Das verkündete Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) am Montagabend (14. September) in der Einwohnerversammlung im Brandenburgischen Viertel.

maxe. Die 30 Anwesenden (vor zwei Jahren waren es über 100 - siehe Foto), darunter 13 Einwohner des Viertels und 14 Mitarbeiter der Stadt- und anderer Verwaltung sowie von Wohnungsunternehmen und anderen Institutionen, kamen sich in der großen Aula der Grundschule Schwärzesee etwas verloren vor. Der hitzigen Diskussion tat das indes keinen Abbruch.

Neben der Abrißdiskussion waren Auslastung und Zustand des Einkaufszentrums »Heidewald«, die Hinterlassenschaften des »liebsten Freunds« der Menschen und die Spielplätze im Kiez die gewohnten Dauerbrenner.

Die Spielplätze werden regelmäßig gereinigt und instandgehalten; für das, was die Hunde fallen lassen, sind zuförderst die Hundehalter verantwortlich – bei der Stadtverwaltung gibt’s kostenlose Tüten; der »Heidewald« ist ein Privatunternehmen, mit dem es nicht ganz leicht ist, zu kommunizieren.
Die Antworten ähneln denen, die es in den Vorjahren gab.
Die Probleme bleiben oder werden schlimmer.
Es sind alles Einzelfälle. Zusammenhänge – z.B. mit Schul- und Kitaschließungen oder dem forcierten Abriß von Wohnungen – werden kaum oder bestenfalls als Folge, nie jedoch als Ursache wahrgenommen.

Das Interesse der gewählten Stadtverordneten hielt sich in Grenzen. Von den drei Stadtverordneten mit Wohnsitz im Ortsteil war nur Carsten Zinn (Alternatives Wählerbündnis Eberswalde) anwesend. Weder Martin Hoeck (FDP) noch Irene Kersten (DIE LINKE) hatten Zeit für die Einwohnerversammlung übrig.
Umso löblicher bewerteten die Einwohner die Anwesenheit von Viktor Jede (DIE SPD) und Dietmar Ortel (CDU), die sich auch aktiv in die Diskussion einbrachten.

Der Stopp der Abrißplanungen ist das Resultat der Proteste der betroffenen Bewohner der Wohnblocks und der sie unterstützenden Einwohner des Ortsteils sowie nicht zuletzt der politischen Aktivitäten der Stadtverordneten und Sachkundigen Einwohner der Alternativen Liste Eberswalde (ALE).
(Carsten Zinn, der Stadtverordnete der ALE, hat sich mit anderen zur Fraktion Alternatives Wählerbündnis Eberswalde zusammengeschlossen.)
Zuletzt hatte es zu dem Abriß-Thema eine Anfrage im Ausschuß für Wirtschaft und Finanzen gegeben.

Nicht zuletzt wirken sich natürlich auch die geänderten Rahmenbedingungen aus. Aufgrund der vielen Flüchtlinge hatte zuletzt das Land Brandenburg ein Ende der Förderung von Wohnungsabrissen gefordert.
Das müssen nun auch Bürgermeister Boginski und die Geschäftsführung der stadteigenen WHG Wohnungsbau- und Hausverwaltungsgesellschaft mbH zur Kenntnis nehmen.

(14. September 2015)




Fragen zum Abriß

Offizielle Anfrage im Ausschuß für Wirtschaft und Finanzen der Stadt Eberswalde zur Sitzung am 10.09.2015 zum beabsichtigten Abriß von Wohnblöcken der WHG in der Potsdamer Allee 45 bis 59:

Im Dezember 2014 informierte die stadteigene WHG Wohnungsbau- und Hausverwaltungsgesellschaft mbH darüber, daß zwei Wohnblocks im Brandenburgischen Viertel abgerissen werden sollen. Zugleich wurden Mietsteigerungen für den gesamten Wohnungsbestand der WHG angekündigt.

Welche Wohnhäuser konkret für den Abriß vorgesehen sind, gab die WHG im Februar 2015 bekannt (siehe: Städtebaulicher Unsinn). Die betroffenen Wohnungen in der Potsdamer Allee 45 bis 59 sind im 2009 beschlossenen Integrierten Programmübergreifenden Stadtteilentwicklungskonzept (IPStEK) nicht für einen Abriß vorgesehen. Resultat des Abrisses wäre eine Lückenbildung und eine Zerstörung von städtebaulichen Zusammenhängen.

In einem Teil der für den Abriß vorgesehenen Wohnungen sind erst vor einigen Jahren Bewohner eingezogen, die aus ihren Wohnungen ausziehen mußten, weil selbige dem Abriß preisgegeben worden waren. Ihnen war versprochen worden, daß ihnen kein nochmaliger Umzug zugemutet werde.

Mir ist bewußt, daß die städtebaulichen Aspekte im Ausschuß für Bau, Planung und Umwelt, und die sozialen Aspekte im Ausschuß für Kultur, Soziales und Integration zu diskutieren sind. Diese Aspekte sollten aber auch hier im Ausschuß für Wirtschaft und Finanzen zumindest erwähnt werden.

Hier zu diskutieren sind die wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen der geplanten Abrisse. Die entsprechenden Fragen wurden in einer Zusammenkunft von WHG und Mietern am 18. Juni 2015, die dankenswerterweise vom Eberswalder Landtagsabgeordneten Daniel Kurth organisiert worden war, zwar gestellt – aber nicht beantwortet.

Es geht darum, wirtschaftlichen Schaden sowohl von der WHG als städtischem Unternehmen, das vorrangig aus betriebswirtschaftlicher Sicht agiert, als auch von der Stadt insgesamt abzuwenden. Dabei spielen neben bloßen betriebswirtschaftlichen, auch die erwähnten städtebaulichen und sozialen – oder zusammenfassend gesagt volkswirtschaftlichen – Aspekte eine bedeutende Rolle.

Ausgehend davon bitte ich um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Wie hoch sind – bezogen auf eine durchschnittliche Wohneinheit von ca. 60 m? (3-Raum-Wohnung) – die Leerstandskosten der beiden für den Abriß vorgesehenen Wohnblöcke
    • aus den fixen Betriebskosten
    • aus den Finanzierungskosten (getrennt nach Zins und Tilgung)?
    Da aufgrund der unterschiedlichen baulichen Zustände von erheblichen Unterschieden zwischen den beiden Wohnblöcken auszugehen ist, bitte ich um eine separate Aufstellung der genannten Kosten für jeden der beiden betroffenen Wohnblöcke.
  2. Wie hoch sind die Kosten, die durch die sogenannten »Altschulden« verursacht werden?
    (Bitte auch hier separate Angaben für die beiden betroffenen Wohnblöcke).
  3. Wie hoch wären die Kosten aus den finanziellen Belastungen durch die verbleibende Restschuld und die Bewirtschaftungskosten nach einem erfolgten Abriß der beiden Wohnblöcke?
    (Bitte auch hier zum Zwecke der Vergleichbarkeit auf die nunmehr völlig fiktive 3-Raum-Wohneinheit bezogen und für beide Wohnblöcke getrennt).
  4. Welche Vorteile verspricht sich die Geschäftsführung der WHG aus dem Abriß der Wohngebäude in der Potsdamer Allee 45 – 59?
    Sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden, die leerstehenden Wohnungen zu vermieten? (Dies insbesondere unter dem Aspekt des aktuell zunehmenden Bedarfs an Unterkünften für Flüchtlinge).
  5. Warum werden die zum Abriß vorgesehenen Wohnblöcke nicht verkauft?
    Wie hoch müßte aus Sicht der WHG das Mindestgebot für einen Verkauf (pro durchschnittlicher Wohneinheit) sein?

Sofern Teile der Beantwortung Geschäftsinterna der WHG betreffen, die öffentlich nicht beantwortet werden können, bitte ich für diese Teile um Antwort in nichtöffentlicher Sitzung.

Neben der mündlichen Beantwortung der Frage bitte ich zur Vermeidung von Mißverständnissen und eventuellen Fehlinterpretationen um eine schriftliche Antwort.

Gerd Markmann, Sachkundiger Einwohner im Ausschuß für Wirtschaft und Finanzen – 8. September 2015

Siehe auch: hier

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Verwirrspiel um Einwohnerzahlen

Suggerierten Einwohnerschwund gab es nicht

maxe. Anfang 2014 wurden die Grenzen der Eberswalder Stadtbezirke, die die territoriale Grundlage der statistischen Berechnungen für diverse städtische Planungen darstellen, an die Ortsteilgrenzen angeglichen. Ziel war, das statistische Durcheinander zu ordnen, wenn für künftige Planungen in den Ortsteilen beispielsweise auf die Einwohnerentwicklung zurückgegriffen wird.

Doch trotz der satzungsmäßigen Klarstellung setzt sich das Durcheinander fort. So bezifferte die Eberswalder Baudezernentin Anne Fellner anläßlich des gemeinsamen Gespräches mit den Mietern der Abrißblöcke in der Potsdamer Allee, dem SPD-Landtagsabgeordneten und Stadtverordneten Daniel Kurth sowie Vertretern der stadteigenen Wohnungsbau- und Hausverwaltungsgesellschaft (WHG) die aktuelle Einwohnerzahl des Brandenburgischen Viertels auf 5.600.

Was sie nicht sagte war, daß sich diese Zahl nur auf die vier schon zu DDR-Zeiten errichteten Bauabschnitte ohne die sogenannte Osterweiterung bezieht – die zudem »leicht« abgerundet wurde.

Tatsächlich leben 6.137 Menschen mit Erstwohnsitz im Brandenburgischen Viertel (Stichtag 24.06.2015). Per 31.12.2014 waren es 6.126, was auf eine leichte Stabilisierung der Einwohnerzahl in diesem Jahr hindeutet.

Demgegenüber beziehen sich auch jetzt noch manche Planungen, wie beispielsweise die aktuelle Sportentwicklungskonzeption, auf den ehemaligen Stadtbezirk Finowtal, der das Brandenburgische Viertel und zwei Finower Stadtunterbezirke umfaßte. Dort lag die Einwohnerzahl per Jahresende 2014 bei 6.608.

Wenn nun aktuell nur mit der Einwohnerzahl der vier alten Stadtbezirke (5.680 Einwohner per 31.12.2014) argumentiert wird, suggeriert das einen dynamischen Einwohnerschwund, der zwar den Abrißbefürwortern den gewünschten Hintergrund liefert, mit der Realität jedoch nichts zu tun hat.

Es waren einmal mehr die konsequenten Nachfragen des Stadtverordneten und früheren Ortsvorstehers Carsten Zinn (ALE – Alternative Liste Eberswalde), welche die tatsächlichen Zahlen an die Öffentlichkeit brachten.

(29. Juli 2015)

Siehe auch: Gespräch im Abrißblock: »Informationen« statt Konfliktlösung, weitere Artikel zum Thema




»Informationen«
statt Konfliktlösung

»Gespräch im Abrißblock« am 18. Juni

maxe. Die stadteigene Wohnungsbau- und Hausverwaltungs-GmbH (WHG) will in der Potsdamer Allee 45 – 59 zwei Wohnblöcke abreißen lassen. Entgegen dem 2009 beschlossenen Integrierten Programmübergreifenden Stadtteilentwicklungskonzept (IPStEK). Seit dem Bekanntwerden der Pläne regt sich der Widerstand.

Der im Wahlkreis Eberswalde direkt gewählte Landtagsabgeordnete Daniel Kurth (SPD) griff das Problem auf und verabredete mit Eva-Maria Lauft, der Leiterin des Familienzentrums in der Potsdamer Allee 59 als einer der betroffenen Mieter, eine Gesprächsrunde mit den Verantwortlichen der WHG und der Stadtverwaltung Eberswalde.

Daniel Kurth betonte, daß es ihm darum gehe, Informationen auszutauschen. Seiner Einladung waren die Eberswalder Baudezernentin Anne Fellner sowie von der WHG die kaufmännische Prokuristin Doreen Boden und die beiden Kundenbetreuer Jens Aßmann und Sebastian Mertinkat gefolgt.

Eva-Maria Lauft ließ es sich als Gastgeberin nicht nehmen, die zahlreich erschienenen Mieter, die Presse und die WHG-Vertreter zu begrüßen. Sie dankte dem Landtagsabgeordneten Daniel Kurth, der zugleich Eberswalder Stadtverordneter und stellvertretender Landesvorsitzender der SPD ist, daß er die Kontakte zu WHG und Stadtverwaltung geknüpft hat.

Das Bekanntwerden der Abrißpläne haben die betroffenen Mieter, aber auch die Ladenbesitzer des nahen Einkaufszentrums »Heidewald« mit Entsetzen und Erstaunen aufgenommen.

Die Mieter wohnen teilweise schon 33 Jahre im Kiez und mußten zum Teil schon einmal wegen Abriß umziehen. Die Händler fürchten, daß infolge des geplanten Abrisses ihre Kunden wegziehen.

Unverständlich sei vor allem, sagte die Leiterin des Familienzentrums, daß hier ein Wohnblock abgerissen werden soll, in den in den vergangenen 5 Jahren erst rund 500.000 Euro für die Sanierung von Heizung und Versorgungsleitungen investiert wurden. Auch der »Mut zur Lücke« verursacht Kopfschütteln. Durch den Abriß würde der Wohnblock in der Finsterwalder Straße zum »Alleinstellungsmerkmal« (vgl. »Stadtebaulicher Unsinn«). Zugleich bleiben die »Altschulden« der WHG auch nach dem Abriß erhalten.

Auf die meisten Fragen gingen weder die Baudezernentin noch die WHG-Vertreter oder der SPD-Landtagsabgeordnete ein.

Die Baudezernentin Anne Fellner glänzte mit einem viertelstündigen Referat zur demographischen Entwicklung in Eberswalde und im Brandenburgischen Viertel. Der aktuelle Leerstand von 840 Wohnungen drohe bis 2030 auf 1.500 anzusteigen. Ein solch hoher Leerstand sei für die Wohnungsgesellschaften existenzgefährdend. Deshalb müsse jetzt vorausschauend der Rückbau erfolgen.

Die Abrißpläne standen nicht zur Disposition. Das machten die Vertreter von WHG und Stadtverwaltung, einschließlich des SPD-Landtagsabgeordneten und -Stadtverordneten klar. Aber man hatte miteinander geredet.

»Wir ziehen hier nicht aus«, hatte eine Mieterin gesagt. Von einer Konfliktlösung kann also nicht die Rede sein. Allerdings wurden die Fronten klarer.

(18. Juni 2015)

(Dies als erster Bericht. Nach den Redaktionsferien vom 20.6.-12.7.2015 wird sich MAXE weiter mit dem Thema befassen)

Weitere Artikel zum Thema




Gespräch im Abriß-Block

Daniel Kurth (SPD) hält sein Versprechen

maxe. Die städtische Wohnungsbau- und Hausverwaltungs-GmbH (WHG) will in der Potsdamer Allee zwei Wohnblöcke abreißen lassen. Seitdem dies bekannt wurde, regt sich der Widerstand.

Ein Beschlußantrag der Fraktion Alternatives Wählerbündnis Eberswalde, mit dem der Abriß verhindert werden sollte, scheiterte im Januar an den Mehrheitsverhältnissen in der Eberswalder Stadtverordnetenversammlung.
Doch auch, wenn der unmittelbare Erfolg ausblieb, trug die Initiative des Alternativen Wählerbündnisses dazu bei, daß auch bei anderen politischen Gruppen in der Stadt ein Nachdenken über die Sinnhaftigkeit des beabsichtigten Abrisses in Gang gesetzt wurde.

Denn der Abriß würde nicht nur eine zerstörerische Lücke in das städtebauliche Ensemble im Brandenburgischen Viertel reißen, sondern auch einen bereits teilsanierten Wohnblock betreffen, in den eine Reihe von Mietern wohnen, die bereits von vorherigen Abrißmaßnahmen betroffen waren und denen seitens der WHG versprochen worden war, daß sie dort dauerhaft wohnen bleiben könnten.

Auf Initiative von Daniel Kurth, für die SPD Stadtverordneter und zugleich Abgeordneter im Brandenburger Landtag, wo er als stellvertretender Fraktionsvorsitzender agiert, findet am 18. Juni 2015 von 15.30 bis 16.15 Uhr eine Gesprächsrunde zum Thema im Familienzentrum in der Potsdamer Allee 59 statt.

Das Familienzentrum ist ebenfalls von den Abrißplänen der WHG betroffen und gehört zu jenen Mietern, die bereits einen Umzug wegen Abriß hinter sich haben.

Damit hält Daniel Kurth, der auch stellvertretender Landesvorsitzender der SPD ist, sein Versprechen gegenüber der langjährigen Leiterin des Familienzentrum im Brandenburgischen Viertel Eva-Maria Lauft ein und holt die Verantwortlichen im Eberswalder Rathaus und in der WHG zeitnah an einen Gesprächstisch, wo sie sich dem konstruktiv-kritischen Dialog mit den vom beabsichtigten Abriß Betroffenen stellen können.

Als Teilnehmer der Gesprächsrunde sind neben Daniel Kurth und Eva-Maria Lauft avisiert:

  • Bellay Gatzlaff, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Eberswalde und Dezernent für Bildung, Soziales, Kultur und öffentliche Beschäftigungsförderung
  • Anne Fellner, Baudezernentin der Stadt Eberswalde
  • Hans-Jürgen Adam, Geschäftsführer der WHG Eberswalde
  • Doreen Boden, Kaufmännische Prokuristin und Leiterin der Kundenbetreuung der WHG Eberswalde

(14. Mai 2015)




WBG saniert Wohnungen

Frisch sanierte Wohnungen in der Spreewaldstraße

maxe. Die WBG hatte bei der ILB Fördergelder beantragt, um drei Wohnblocks in der Lausitzer und Spreewaldstraße zu modernisieren und umzubauen. Die ILB-Fördergelder wurden allerdings für die »Michaelisgärten« der WHG in der Eberswalder Innenstadt dringender gebraucht. Daher konnte die Wohnungsgenossenschaft ihre ambitionierten Pläne nicht umsetzen. Zwei der drei Wohnblocks mußten der Abrißbirne preisgegeben werden.
Nur auf Eigenmittel angewiesen, konnte die WBG nur noch kleinere Brötchen backen. Die 40 verbliebenene Wohnungen in der Spreewaldstraße wurden 2014/15 grundlegend saniert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

(21. April 2015)




Foto-Galerie:
Abriß der Schwärzesee-Schule

Gut ein halbes Jahr nach dem Umzug der Grundschule "Schwärzesee" hat der Abrißbagger am alten Gebäude seine Arbeit getan.
Von einst fünf großen Schulen im Brandenburgischen Viertel existiert nur noch eine.

Es ist eine Grundschule. Ab der 7. Klasse müssen die Kinder fahren. Das ist eine Folge des zergliederten Schulsystems der BRD aber auch bewußte Politik in der Stadt Eberswalde und im Landkreis Barnim.
Mit 60 bis 70 Kindern pro Geburtsjahrgang wären durchaus genügend Schüler im Viertel vorhanden, um hier auch eine Oberschule am Leben zu erhalten. Aber das war nicht gewollt. Zum Nachteil der Entwicklung des Brandenburgischen Viertels, in dem damals auch die Kita "Spatzennest" geschlossen wurde.

Dabei gibt es durchaus Bemühungen, zumindest die 10 Klassenstufen der allgemeinbildenden Schulen an einem Standort zusammenzufassen. In Eberswalde wird das an den Schulkomplexen in Mitte und in Westend praktiziert, die in der Trägerschaft des Landkreises sind.

Dort wurden in den vergangenen Jahren für viele Millionen Euro sogar neue Schulgebäude gebaut – während im Brandenburgischen Viertel Schulgebäude abgerissen und Schulen geschlossen wurden.
Gegen den Widerstand der Schüler, die sich im Frühjahr 2006 sogar zu einem Schülerstreik erhoben, vieler Eltern und Lehrer und auch einiger Kommunalpolitiker. Doch gegen die Phalanx aus Stadt- und KreisVerwaltung, Schulamt und der Mehrheit der Stadtverordneten und Kreistagsabgeordneten blieb der Widerstand erfolglos.

Nun manifestiert sich das im Abriß des ehemaligen Schwärzeseeschulgebäudes.
Schon im Fall der Albert-Einstein-Schule hat sich der Bürgermeister vehement für einen schnellen Abriß stark gemacht. Die Veränderungen in der Schullandschaft des Brandenburgischen Viertels wurden so für alle sichtbar und irreparabel.

Gerd Markmann – 25. März 2015

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Warum verweigert der Bürgermeister die Diskussion?
Die stadteigene Wohnungsgesellschaft will zwei Wohnungsblöcke in der Potsdamer Allee abreißen lassen, unweit des Heidewald-Einkaufszentrums.

In einem anonymen Online-Kommentar zu dem MOZ-Beitrag »Klares Nein zum Abriß-Stopp« heißt es, die Stadt brauche bezahlbare Wohnungen, »die aber den heutigen Standards angeglichen werden müssen« .

Es ist richtig, viele Menschen in unserer Stadt sind auf solche für sie bezahlbaren Wohnungen angewiesen.
Die Wohnungen, die in der Potsdamer Alle 45 bis 59 nach dem Willen der WHG abgerissen werden sollen, haben hinsichtlich ihres Komforts durchaus »den heutigen Standard« . Allerdings haperte es in den letzten 20 Jahren ein bißchen mit der Instandhaltung, so daß die betroffenen Wohnblocks zumindest teilweise, wie die Eberswalder Baudezernentin Anne Fellner sagt, in »einem miserablen Zustand« sind.
Allerdings sind, wie WHG-Geschäftsführer Adam mitteilte, erst vor einigen Jahren mehr als 460.000 Euro in die Erneuerung der Elektro- und Wasserleitungen in den beiden Blöcken gesteckt worden. In ihrer Geschäftspolitik setzt die WHG mindestens seit den späten 90er Jahren den Schwerpunkt auf die Sanierung der Altbausubstanz in Alt-Eberswalde und bedient dabei eher das hochpreisige Mietsegment.

Ob diejenigen, die mutwillig vorhandene Wertsubstanz an Wohnungen (mittels Fördermittel) zerstören, damit sie an anderer Stelle (mit Fördermitteln) neue Wohnungen bauen können, Weitblick besitzen, wie der Anonymos vermutet, will ich zumindest bezweifeln. Da spielt vielleicht eher der Nahblick aufs schnelle (eigene) Geld eine Rolle. Ein Umbau der Plattenbauten wie in Schwedt, darauf verweist der Anonymos, scheiterte bei uns in Eberswalde übrigens daran, das DAFÜR keine Fördermittel zur Verfügung standen.

Die Wohnungsgenossenschaft bekam für ihr Umbau-Projekt in der Lübbenauer Straße, wo barrierefreie Wohnungen zu sozialverträglichen Mieten entstehen sollten, keine ILB-Förderung. Zur gleichen Zeit faßte die WHG ILB-Fördermittel für ihre »Michaelisgärten« ab, wo alles andere als Sozialwohnungen entstehen (BBP 3/2014). »Leerstand kostet Geld«, heißt es in dem anonymen Online-Kommentar, »und aus betriebswirtschaftlichen Gründen wird gerade im Brandenburgischen Viertel zurückgebaut«.

Da sind zwei Aussagen miteinander verknüpft, die eigentlich nicht wirklich etwas miteinander zu tun haben. Sicherlich liegt auf der Hand, daß eine Wohnung – ob bewohnt oder leer – ein gewisses Maß an Grundkosten verursacht. Die fixen Betriebskosten kann man durch verschiedene Maßnahmen – die Wohnungsgenossenschaft praktiziert da neuerdings einiges – einschränken. Die kreditfinanzierten Baukosten – bei unsanierten Plattenbauten sind das im wesentlichen die sogenannten »Altschulden« – lassen sich hingegen kaum minimieren. Diese Kosten bleiben auch, wenn die Wohnung abgerissen wird. Und dann ohne Chance, jemals wieder durch eine Vermietung dieser Wohnung bedient zu werden.

Die Zeiten, daß bei Abriß auch die »Altschulden« vom Staat übernommen wurden, sind längst vorbei. Sofern für die Wohnblocks in der Potsdamer Allee 45 bis 59 noch Verbindlichkeiten in den Büchern der WHG stehen, werden diese dort auch nach einem Abriß zu finden sein. Von den Leerstandskosten kann die WHG die fixen Betriebskosten einsparen. Die Finanzierungskosten hingegen müssen von der WHG weiterhin bedient werden.

Wie hoch die Leerstandskosten tatsächlich sind und welcher Anteil davon Finanzierungskosten sind, bleibt freilich das Geschäftsgeheimnis der WHG, die ja die ganze Zeit nicht einmal sagen wollte, welche Wohnblöcke konkret auf ihrer Abrißliste stehen.

Dazu, warum »aus betriebswirtschaftlichen Gründen gerade im Brandenburgischen Viertel zurückgebaut« werden soll, fehlt jede Aussage. Leerstand, der Geld kostet, gibt es auch in anderen Stadtteilen. In Stadtmitte, wie man hört, sogar mehr als im Brandenburgischen Viertel. Möglicherweise hat es mit der oben erwähnten Geschäftspolitik der WHG zu tun, daß sie »gerade« im Brandenburgischen Viertel abreißen will.

Andere Wohnungsgesellschaften, die zum Teil in Eberswalde nur im Brandenburgischen Viertel als Wohnungseigentümer aktiv sind, weigern sich, ihr Eigentum an Wohnungen der Abrißbirne preiszugeben. Entgegen den gängigen Demographieparolen schafften die es sogar, den Leerstand in ihrem Wohnungsbestand auf rund 5 Prozent zu drücken. Dabei steht in deren Gesellschaftervertrag ganz gewiß nichts von sozialverträglichem Wohnen als Ziel. Nimmt man diese Fakten, dann gibt es offenbar überhaupt gar keinen betriebswirtschaftlichen Grund, Wohnungen »gerade« im Brandenburgischen Viertel abzureißen. Da stellt sich die Frage, warum dem Bürgermeister soviel daran liegt, nicht »wochenlang darüber zu diskutieren, ob zwei Wohnblöcke abgerissen werden sollen oder nicht«.

Gerd Markmann – 7. März 2015

siehe auch: "Städtebaulicher Unsinn"




Städtebaulicher Unsinn

Zum geplanten Abriß zweier Wohnblöcke unweit des Heidewald-Einkaufszentrums

Eberswalde (bbp). Die städtische Wohnungsgesellschaft (WGH) hatte im Dezember verkündet, daß sie zwei Wohnblöcke im Brandenburgischen Viertel abreißen will. Zugleich sollen die Mieten in den Wohnungen der WHG steigen. Welche Wohnungen genau abgerissen werden sollen, unterlag der Geheimhaltung. Inzwischen wurden die betroffenen Bewohner zu der angekündigten Informationsveranstaltung eingeladen.

Sie findet am Donnerstag, den 5. Februar,
um 17 Uhr im Bürgerzentrum im Brandenburgischen Viertel (Schorfheidestraße 13) statt.


Vom Abriß betroffen sind nach bislang vorliegenden Informationen die Potsdamer Allee 45 bis 59. Entsprechend dem 2009 beschlossenen Integrierten Programmübergreifenden Stadtteilentwicklungskonzept (IPStEK) sollte es hier keinen Abriß geben. Während in der übrigen Stadt bei Bebauungsplänen regelmäßig auf eine möglichst durchgehende „Blockrandbebauung“ geachtet wird, scheint so eine Anforderung städtebaulicher Gestaltung im Brandenburgischen Viertel keinerlei Rolle zu spielen.

Werden die Abrißpläne realisiert, bliebe der Wohnblock in der Finsterwalder Straße separat in der Landschaft stehen. Man muß wohl kein ausgebildeter Stadtplaner sein, um den groben städtebaulichen Unsinn erkennen zu können. Statt „Lückenschluß“ heißt die Devise hier „Lückenbildung“. Vom avisierten Abriß sind viele ältere und langjährige Mieter der WHG betroffen. Einige sind bereits mehrfach innerhalb des Brandenburgischen Viertels umgezogen. Vom damaligen WHG-Geschäftsführer Rainer Wiegand hatten sie die Zusage erhalten, nicht noch einmal umziehen zu müssen. So manche haben sich so eingerichtet, daß sie hier ihren Lebensabend verbringen können. Die Aussage des jetzigen WHG-Geschäftsführers Hans-Jürgen Adam, »niemand muß Angst haben, daß er einfach so aus seiner Wohnung herausgeworfen wird«, nimmt so mancher als Verhöhnung wahr.

(aus "Barnimer Bürgerpost" 2/2015 vom 3. Februar 2015. Mit freundlicher Genehmigung)




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