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Entwurfsplanung für Radweg-Südroute beschlossen:
»Bulshit«
2,4 Millionen Euro für unnötige Radwege
maxe. »Wer hat sich denn diesen Bulshit ausgedacht?« Diese Frage samt Kommentar erreichte die MAXE-Redaktion nach der Stadtverordnetensitzung am 19. März. Ein Bewohner des Brandenburgischen Viertels hatte die Stadtverordnetenversammlung im Livestream verfolgt. Seinen Namen wollte der Kiezbewohner nicht der Öffentlichkeit preisgeben, was wir selbstverständlich respektieren.
Hintergrund ist der Beschluß über die »Entwurfsplanung Südroute im Abschnitt von der Schönholzer Straße bis zur Zoostraße«, der in der Sitzung am 19. März mehrheitlich bestätigt wurde. Dabei soll das Ziel verfolgt werden, »den Radverkehr maßgeblich zu stärken«.
Die Verwaltung wird mit diesem Beschluß »mit der Erstellung eines Bauprogramms beauftragt». Der geschätzte Auftragswert beträgt 2,4 Millionen Euro. Davon sollen 1,7 Millionen Euro über Fördermittel finanziert werden. Somit verbleibt eine Summe von 700.000 Euro als städtischer Eigenanteil. Realisiert werden soll diese Maßnahme in den Jahren 2028/29.
Ein Teilziel der Stärkung des Radverkehrs sei »die Realisierung der Südroute für Radfahrende, um die Stadtteile Finow und das Brandenburgische Viertel mit dem Bahnhof und dem Zentrum für diese Verkehrsteilnehmer zu verbinden«. Dabei wird auf den »Mobilitätsplan 2030+« und das »Radnutzungskonzept der Stadt Eberswalde« verwiesen.
Zur Untersuchung der Varianten der Routenführung sei 2023 eine Machbarkeitsstudie erstellt worden. Dabei habe sich »eine Arbeitsgruppe aus beteiligten Ämtern der Stadtverwaltung, dem Landkreis Barnim, der Gemeinde Schorfheide, dem ADFC Eberswalde, Kitas und dem Zoo Eberswalde gebildet, in welcher die angedachten Maßnahmen diskutiert worden sind«. Zudem habe es eine »zweiteilige Online-Öffentlichkeitsbeteiligung sowie eine Öffentlichkeitsveranstaltung im Rahmen des Radverkehrsforums« gegeben. Der oben erwähnte Kiezbewohner hatte von all dem nichts mitbekommen. War wohl seine Schuld.
Bereits im Mai 2024 hatten jedenfalls die Stadtverordneten einen Beschluß über die Machbarkeitsstudie und »weiterführende Planungen zur Zielerreichung bzw. Umsetzung« gefaßt. Als erster Umsetzungsabschnitt wurde der jetzt als Entwurfsplan vorgelegte Abschnitt zwischen Schönholzer Straße und Tierparkstraße festgelegt, heißt es in der aktuellen Sachverhaltsdarstellung.
In einem weiteren Beschluß wurden sogar schon Planungsleistungen öffentlich ausgeschrieben und an das IBE Ingenieurbüro für Bauplanung Eberswalde des CDU-Stadtverordneten Uwe Groß (der auch wegen Befangenheit an der aktuellen Abstimmung nicht teilnahm) und die Dr. Löber Ingenieurgesellschaft für Verkehrsbauwesen aus Hennigsdorf vergeben.
Nachfolgend der Kiezbewohner im Originalton:
»Der ganze Murks wurde offensichtlich bereits mit der Annahme der Machbarkeitsstudie verzapft, für die sich damals kein Mensch interessierte. Man braucht bloß auf den Übersichtsplan gucken, um zu sehen, daß diese Routenplanung völliger Bulshit ist.
Wie bescheuert kann man sein, parallel zu dem bestehenden Radweg entlang der Schönholzer Straße für fast zweieinhalb Millionen Euro einen halbwegs naturbelassen Waldweg zu versiegeln und dann den vorhandenen Geh- und Radweg an der Prignitzer Straße abzureißen und neuzubauen?
Von der Schönholzer Straße kann der Radverkehr ohne weitere Investition – so wie die Südrouten-Entwurfsplanung das in der Potsdamer Allee vorsieht – entlang der Brandenburger Allee über den Potsdamer Platz und dann über die Frankfurter Allee, wo es sogar noch ausgebaute Radwege entlang der Straße gibt, die jetzt wegen der 30er Zone bloß nicht mehr als solche ausgewiesen sind, und dann über die Gubener Straße zu dem existierenden Überweg mit Verkehrsinsel an der Einmündung Lausitzer/Tierparkstraße geführt werden. Damit wäre sogar der sichere Übergang zum Schwarzen Weg gewährleistet, der in der aktuellen Entwurfsplanung gar nicht enthalten ist.
Schließlich würde mit dieser Wegeführung ein Problem gar nicht erst entstehen, welches mit der beschlossenen Entwurfsplanung sehr wahrscheinlich den größten Frust verursachen dürfte. Denn diese Entwurfsplanung sieht vor, die etwa 30 Stellplätze in der Lausitzer Straße zwischen Spreewald- und Tierparkstraße ersatzlos zu beseitigen, um dort einen Radschutzstreifen auf dem Asphalt zu malen. Zugleich schafft man damit dort freie Bahn für Raser. Völlig absurd.«
Der Kiezbewohner hatte noch drastischere Formulierungen parat, auf deren Wiedergabe wir an dieser Stelle verzichten wollen. Das Problem ist angesprochen. Fast zweieinhalb Millionen Euro an Ausgaben für eine Radverkehrsführung, die eigentlich schon vorhanden ist und deren Optimierung bestenfalls minimale Kosten verursachen würde. Während zugleich völlig unnötig Konflikte mit den Bewohnern provoziert werden. Konflikte, die mit anderer Wegeführung ohne Mehrkosten schlicht umgangen werden könnten.
(19. März 2026)
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